Liberaler Neuanfang von 70 Jahren

Am 6. Juli 1945 wurden in Dresden die Weichen für den parteipolitisch organisierten Liberalismus im Nachkriegssachsen gestellt. Grundlage dafür war der Befehl Nr. 2 der Sowjeti-schen Militäradministration in Deutschland (SMAD) vom 10. Juni 1945, der die Gründung demokratischer Parteien und die freier Gewerkschaften in der Sowjetischen Besatzungszone gestattete. Nach der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten hatte es zuvor zwölf Jah-re lang keine Parteien – mit Ausnahme der NSDAP natürlich – in Deutschland gegeben. Im Zuge des von den Alliierten nach dem 8. Mai 1945 eingeleiteten Demokratisierungsprozes-ses sollte auch das gesellschaftliche Leben wieder aktiviert werden.

Die Initiative zur Gründung einer neuen liberalen Partei hier vor Ort in Sachsen ging im Wesentlichen von ehemaligen Landtagsabgeordneten der Deutschen Volkspartei (DVP) Johannes Dieckmann aus. Dieser versuchte auch seinen früheren Parteikollegen Hugo Hickmann für die Mitarbeit zu gewinnen. Hickmann liebäugelte jedoch mit einer christlichen Ausrichtung der noch zu gründenden bürgerlichen Partei, was von Dieckmann kategorisch abgelehnt wurde. Deshalb kam es nicht zur Bildung einer großen bürgerlichen Partei, als Gegenpol zu den Kommunisten und Sozialdemokraten.

Die hiesige liberale Parteigründung erhielt schließlich den Namen Demokratische Partei Deutschlands (DPD). Die Leitung lag zunächst in den Händen von Prof. Dr. Hermann Kastner und Prof. Dr. Emil Menke-Glückert. Dem Gründungsausschuss gehörten ferner der Vize-präsident der Landesverwaltung Sachsen für Justiz und Gesundheit Dr. Reinhard Uhle, Ministerialrat Dr. Thust, Rechtsanwalt Hennig, die ehemaligen Dresdner Stadtverordneten Thürmer und Dr. Berthold, der Telegrafen-Oberinspektor Walter Reinhard sowie Johannes Dieckmann an. Die Parteigeschäftsstelle wurde in Dresden-Strehlen, auf der Wasastraße 2b, eingerichtet.

Die Gründung einer liberalen Partei in Dresden fand zeitgleich zu den Aktivitäten der Gruppe um Wilhelm Külz, Eugen Schiffer und Waldemar Koch in Berlin statt, wo am 5. Juli 1945 der Gründungsaufruf für die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDP) veröffentlicht wurde. Die DPD schloss sich am 15. August der LDP an und firmierte fortan als sächsischer Landesverband der Liberaldemokraten. Hermann Kastner wurde der erste Landesvorsitzende.